Armeniens mystisches Stonehenge

Die Megalithfelder in Zorakarer geben der Archäologie seit Jahrzehnten Rätsel auf. Welche Bedeutung hatten diese Steinfelder inmitten einer anmutenden Gebirgslandschaft im Kaukasus nahe der Kleinstadt Sissian?

Eine Momentaufnahme zu unserer Wanderreise Armenien – Im Schatten des Berges Ararat.

Zorakarer

Anmutige Landschaft – Zorakarer im Schatten der mächtigen Gebirgszüge des Kaukasus (Foto: Christian Heinichen)

Die saftigen Blumenwiesen der kaukasischen Gebirge mit ihrem weichen und warmen Untergrund laden dazu ein, wie in ein gemütliches Bett hinein zu sinken und das satte blaue Firmament auf sich einwirken zu lassen. Umgeben von den Dreitausendern des Kaukasus und Hunderten von Steinsäulen wirkt unausweichlich die Mystik von Zorakarer auf den Besucher.

Diente diese Armee aus Steinen vielleicht auch schon vor 5000 Jahren armenischen Astronomen als Observatorium, um von hier aus den Weltraum zu erkunden? Einige der Steine weisen Löcher auf, die mit Hilfe von Feuerkieseln als Vergrößerungsgläser zur Beobachtung der Gestirne gedient haben könnten. Ein alter Mann, der sich hier auszukennen scheint, ist von dieser Hypothese überzeugt und erklärt, dass „somit die Armenier die Astronomie noch vor den Babyloniern und Ägyptern erfunden haben.“ Eine gewagte These, die aber viele Armenier gerne hören: Beschert sie doch Zorakarer und dem Land den Ruf als Wiege der Astronomie und lockt Touristen ins „armenische Stonehenge“.

Zorakarer

Welche Erklärungen gibt es für die Löcher in den Steinen? (Foto: Christian Heinichen)

Doch viele Archäologen sind anderer Meinung. So finden sich auf dem insgesamt sieben Hektar großen Gelände viele Kammergräber und Mauerreste einer Siedlung. Lediglich vierzig Steine bilden einen Kreis um das zentrale Steinkammergrab, welches Grund zur Annahme gibt, dass es sich bei Zorakarer auch um eine Kultstätte gehandelt haben könnte. So oder so: Der Ort beflügelt seit je her die Phantasie der Menschen.

Die bis zu zehn Tonnen schweren Steintürme scheinen jedoch trotz ihrer kulturhistorischen Bedeutung nicht zu den touristischen Highlights Armeniens zu zählen. Der Tourismus hier ist weniger reguliert als etwa in Englands Stonhenge, und die moosbewachsenen Steine hier sind zum Anfassen. Das Besucherzentrum ist eine Holzhütte, in der es Bücher über Zorakarer zu kaufen gibt. Zwei junge Männer leiten es und nehmen sich bei einer Tasse Kaffe gerne Zeit für die spärlich vorbeischauenden Interessierten.

Ihre Geschichten befeuern noch mehr die Gerüchte über die Steine. Sie erzählen lokale Legenden von gutherzigen Riesen, die in grauer Vorzeit für einen Stamm Kleinwüchsiger eine Steinfestung errichtet haben sollen. Egal welcher Theorie man nun Glauben schenken mag, Zorakarer ist ein Muss auf jeder Reise entlang der Seidenstraße.

Nicht nur Reisen innerhalb Armeniens bieten einen Abstecher hierher an: Etwa vom Ararat-Berg oder vom Kloster Tatev aus. Auch die Nachbarländer Iran, Aserbaidschan und Georgien sind nicht fern und ermöglichen Abstecher zur Steinarmee.

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