Äthiopien – Abenteuer am Afrikanischen Grabenbruch

Es ist noch früh am Morgen als wir mit unserer elfköpfigen Reisegruppe in Addis Abeba landen. Unser Reiseleiter und Äthiopien-Experte Christian gabelt uns am Flughafen auf.

Es geht direkt hoch hinaus auf die erste kurze Wanderung. Unser flinker Busfahrer Girmar fährt uns durch die lebendigen Straßen der Hauptstadt. Blökende Ziegen teilen sich die Straßen mit Tuktuks und Autos. Aus der Schubkarre verkaufen Straßenhändler üppige Bananenstauden.

Addis Abeba, Straße, Verkäufer

Die Sonne strahlt vom Himmel als wir bei angenehmem Wanderwetter den 3.200 Meter hohen Hausberg Entoto erklimmen. Bereits hier bekommen wir die dünne Höhenluft zu spüren und spazieren leicht außer Atem durch die grünen Eukalyptuswälder. Kinder folgen uns auf dem Weg nach oben. Äthiopierinnen sammeln Feuerholz und tragen es zum Verkaufen zurück ins Tal – auf solchen Höhen und ohne Hilfsmittel ein wahrer Knochenjob.

Entoto Hausberg Addis Abeba

Wanderung Addis Abeba Feuerholz

Kinder Wanderung Entoto Hausberg

Addis Abeba Entoto Kirche

Nach einem Besuch der farbenfrohen St. Mary’s Kirche kehren wir zurück in die Stadt und genießen unser wohlverdientes Mittagessen. Es gibt traditionelles äthiopisches Essen und mit den Händen rollen wir die würzigen Pasten, rote Beete und Spinat in das flache Injera Brot.

Mittagessen Äthiopisch Addis Abeba

Am nächsten Morgen fahren wir in Richtung Ankober. Sobald wir die Hauptstadt verlassen, verabschieden wir uns auch von geteerten Straßen. Mit unserem Kleinbus juckeln wir über die Landstraßen auf fast 2.500 Meter und sehen vom Auto aus Gänsegeier am blauen Himmel kreisen.

Im Oktober, so kurz nach der Regenzeit, ist die Landschaft besonders grün. Wir wandern unter strahlendem Himmel an einem Grat entlang und genießen einen fantastischen Ausblick über den weitläufigen Afrikanischen Grabenbruch.

Wanderung Äthiopien Grabenbruch

Grabenbruch Ausblick Äthiopien

Grabenbruch Wanderung Hochland Äthiopien

Ziegen Wanderung Äthiopien

Die kleinteiligen Äcker und Felder der Bauern durchziehen die Landschaft. Junge Kinder hüten die Ziegenherden, die auf den Terrassen der Berge grasen. Wir setzen uns ins Gras und genießen ein Picknick mit dampfendem Tee und frischen Avocados.

Wanderung Mittag Äthiopien   Afrikanischer Grabenbruch Wanderung

Terrassen Afrikansicher Grabenbruch Äthiopien

Das Ziel unserer Wanderung ist die Ankober Palace Lodge, die einem alten Königspalast nachempfunden ist. Mit der einfallenden Dunkelheit kommt auch die Kälte und wir freuen uns darauf uns bei der abendlichen Kaffeezeremonie aufzuwärmen. Bereits am Nachmittag wurden die Kaffeebohnen mit einem Handstampfer zermahlen und geröstet. Der Duft nach frischem Kaffee liegt in der Luft als wir uns um das offene Feuer setzen. Zu dem dampfenden Getränk knabbern wir, typisch für Äthiopien, frisches Popcorn.

Um 5 Uhr morgens kriechen wir am nächsten Tag aus den Betten. Die Luft ist kühl und in Winterjacken schauen wir der Sonne zu, wie sie über den orang-roten Horizont klettert. Es fühlt sich an, als könnten wir auf solcher Höhe unendlich weit blicken. Unseren Weg kreuzen die ersten verspielten Affen.

Später geht es noch eine Stufe weiter Richtung Himmel. Auf 3.200 Metern kommen wir im Menz Guassa Hochplateau an, der Heimat des seltenen Äthiopischen Wolfes. Die Guassa Community Conservation Area ist eines der bedeutendsten hochalpinen Ökosysteme des Landes und wird unter anderem unterstützt von der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft.

Unsere Unterkunft, die Menz-Guassa Community Lodge, liegt mitten im Schutzgebiet, wo wir bei nebligem Wetter in den einfachen Hütten 2 Nächte verbringen. Wir wandern durch das wogende Grasland auf dem Hochplateau und besuchen Bauern in ihrem zu Hause.

Auf dem Weg nach Dessie klart der Himmel wieder auf. Christian hat fürs Picknick eine Überraschung vorbereitet – in der warmen Mittagssonne beißen wir genüsslich in vegetarische Burger mit Pommes. 

Auf dem Rückweg zum Auto begegnen wir unserem ersten Blutbrustpavian.

Unser Weg führt aus der Kälte der 3.300 Meter hohen Lasta-Berge hinab ins subtropische Flachland, wo plötzlich Kamele unseren Weg kreuzen.

Der nahegelegene Hayksee reflektiert den blauen Himmel und wir schauen nach oben um die Flugkünste der bunten tropischen Vögel beim Birdwatching zu bestaunen. Wir haben Glück: Mit dem Fernglas erspähen wir vom Ufer aus den größten Eisvögel Afrikas, den farbenfrohen Riesenfischer.

Am selben Tag werden wir zum Mittagessen eingeladen von Elyas, einem unserer deutschsprachigen Äthiopien-Reiseleiter. In einer gemütlichen Runde sitzen wir zu Hause bei seiner Familie im kleinen Wohnzimmertisch und genießen das würzige Mittagessen, das seine Mutter frisch zubereitet hat.

Inzwischen sind wir bereits nah an einem der berühmtesten Orte des Landes – den legendären Felsenkirchen von Lalibela. Auf dem Weg dorthin überqueren wir frei mäandrierenden Flüssen. An einem der steinigen Ufer parkt ein Tuktuk-Fahrer sein Gefährt und wäscht es im Flusswasser.

Auch wir stellen das Auto kurz ab um uns die Beine zu vertreten und blicken über Felder auf die mächtigen Tafelberge, während die Sonne bereits dem Horizont entgegen sinkt.

Lalibela ist eines der wichtigsten Pilgerzentren für orthodoxe Christen in Äthiopien. In der wuseligen und überraschend wenig touristischen Pilgerstadt steigen wir in kleine blaue Tuktuks. Ohne Anschnaller kuscheln wir uns im Fahrzeug aneinander und tuckern in Richtung der berühmten monolithischen Felsenkirchen.

Die Gotteshäuser wurde in jahrzehntelanger Detailarbeit von außen nach innen in den Tuffstein gemeißelt.

Wir kommen früh morgens an und erleben noch das Ende einer Messe mit. Die Schuhe werden draußen ausgezogen und wir betreten die dunkle Steinhalle. Tageslicht fällt durch die schmalen Fenster und nur einige wenige Halogenlampen zwischen den zahlreichen Heiligenbildern erhellen den Raum. Am Mittelgang laufen die Frauen rechts, die Männer links entlang und scharen sich später in der Mitte um den Priester.

Die modernen Dächer über dem Bau schützen den Sandstein vor der Verwitterung. Die Anlagen bestehen aus Kirchen- und alten Palastanlagen.

Schmale Gänge verbinden die Kirchen und waren einst Teil der Befestigung. Wir luken in die dick bemoosten Gänge hinein. In einer der Seitengänge ruhen mumifizierte Menschen, die vor langer Zeit an der heiligen Stätte begraben wurden.

Am Ende unserer Wanderreise verlassen wir Äthiopien voller Eindrücke und mit neu gewonnenen Freunden. Unsere kleine Gruppe hat sich so gut verstanden, dass kurzerhand E-Mail-Verteiler erstellt werden mit dem Versprechen in Kontakt zu bleiben und Fotos auszutauschen.

Äthiopien ist ein Reiseziel, das etwas Reiseerfahrenheit und Zeit braucht – besonders merken wir das beim Fahren abseits der geteerten Straßen durch solch ein weitläufiges Land. Wer bereit ist auf etwas Komfort zu verzichten, wird voller Demut vor der Gastfreundschaft seiner Bewohner und der einzigartigen Natur zurückkehren.

Iran Im Juni – Im Reich der Bergnomaden

Es ist spät am Abend als wir mit dem Auto hinauf auf 3.000 Meter fahren. Die Luft wird kälter, Schnee reflektiert das Licht unserer Autoscheinwerfer, während wir auf dem Weg auf die Westseite des Zagros-Gebirges sind.  Zur Heimat der Bergnomaden.  

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Die Welt ist das Ziel