Iran Isfahan Moschee

Iran im Juni – Moderne Metropole Isfahan

Von den weißen Gipfeln des Zagrosgebirges machen wir uns auf den Weg zu einer der größten Metropolen des Irans. Wir durchstreifen das lebendige Isfahan, vorbei an duftenden Gewürzständen und prächtigen Moscheen.

Ein persisches Sprichwort besagt: „Isfahan ist die Hälfte der Welt“. In unserem Rücken erheben sich die schneebedeckten Gipfel des Zagrosgebirges als wir knappe 4 Stunden gen Norden fahren, um die Stadt mit ihren knapp 2 Millionen Einwohnern zu erkunden. 

Wir übernachten in einem schönen, alten Gebäude mitten im armenischen Viertel. Die Zimmer reihen sich um den traditionellen, großen Innenhof. Das Hotel war einst das Wohnhaus eines armenischen Priesters, der im 19. Jahrhundert in Isfahan geboren wurde.

Armenisches Viertel Isfahan Hotel

Auf den Straßen des Viertels reihen sich Geschäfte und szenige Restaurants aneinander. Neu-Dschulfa gilt heute als hippes Viertel. Durch die Luft fliegen Gesprächsfetzen auf Armenisch. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich der Unterschied zum Rest der Stadt und die Geschichte des Viertels. 

In der Blütezeit der Stadt im 17. Jahrhundert kamen Tausende Armenier unter der Dynastie der Safawiden nach Isfahan. Schah Abass holte die geschickten Handwerker und Künstler, um an den prunkvollen Moscheen und Palästen zu arbeiten.

In dieser Zeit entstanden viele der Prachtbauten Isfahans. Eine der ältesten Moscheen der Stadt ist die Freitagsmoschee. Verschiedene Epochen haben das Gesicht des UNESCO-Kulturerbes geprägt. Durch die Geschichte hinweg wurde etappenweise an dem azurblau verzierten Gotteshaus gebaut. Ausgebesserte Mauerstellen zeugen noch heute von den Spuren des Iran-Irak-Krieges.

Isfahan großer Platz

Der Duft von kräftigen Gewürzen liegt in der Luft als wir über den lebendigen Basar am Imam-Platz schlendern. Aus einem mannshohen Schrank holt ein Händler aus einer der zahlreichen Schubladen duftende Pulver und häuft sie auf seine goldenen Waage. Vor ihm türmen sich farbenfrohe Haufen von Gewürzen.

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Anschließend demonstriert uns ein Stoffdrucker sein aufwendiges Kunsthandwerk. Jede Farbe wird traditionell einzeln auf den Baumwollstoff aufgetragen. Wir schlagen ordentlich zu und kaufen einige seiner  kunstvoll verzierten Handwerksstücke.

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Der Imam-Platz im Zentrum der Stadt gehört mit fast 9 Hektar zu den größten Plätzen der Welt. Moscheen und Paläste ragen an den Flanken des Platzes in den blauen Sommerhimmel. Wir besuchen den Ali Kapo Palast. Frisch restauriert, erblicken wir ihn zum ersten Mal ohne Gerüst. Unter dem ausladenden Baldachin saß einst der Schah und schaute den Polospielen auf dem Platz zu. Die steinernen Tore stehen noch immer an der Längsseite des Platzes.

Iran Isfahan Ali Kapo Palast

Isfahan Wanderreise Moschee

Im Inneren des Palasts zieren Fresken die Wände. Als Handelsstadt an der Südroute der Seidenstraße fungierte Isfahan als Drehscheibe zwischen Orient und Okzident. Die Gemälde zeigen europäisch und persisch anmutende Figuren, aus der Zeit als Isfahan ein Knotenpunkt für den Seiden- und Baumwollhandel war.

Ali Kapo Palast Isfahan Iran

Das leise Rauschen des Zayandeh Rud, „lebensspendender Fluss“, erfüllt die warme Sommerluft. Der Fluss teilt die Stadt in zwei Hälften. Mehrere Brücken führen über den sprudelnden Wasserweg. Selten gab es so viel Regen im Frühling wie in diesem Jahr und so erleben wir zum ersten Mal, dass der Fluss Wasser führt.

Fluss Isfahan Juni Iran

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Die Lichter der Stadt spiegeln sich im dunklen Wasser, als wir nachts am Wehr spazieren gehen. Die Leute freuen sich so sehr über das Wasser inmitten der Stadt. Selbst um Mitternacht sind die Ufer voller Leben – Pärchen wandeln Hand in Hand, Familien sitzen grillend auf den Steinplatten.

Ein Geheimtipp ist das eher unbekannte Isfahan Music Museum. Traditionelle Musikinstrumente aus dem Iran und ganz Vorderasien lassen sich hier bestaunen. Am Ende des Besuchs spielen Musiker ein kleines Konzert mit traditionellen Liedern für die Gäste. Es ist unser Abschiedslied, denn wir machen uns bald auf den Weg in Richtung Flughafen.

Musikmuseum Isfahan Führung Iran

In Natanz besuchen wir ein historisches Sufi Heiligtum aus dem 11. Jahrhundert. Der verlassene Tempel ist einer von vielen „Feuertempeln“ der Zoroastrier. Lange Zeit wurde die religiöse Gruppe im Iran verfolgt. Im Inneren der Tempel verehren sie ihre Götter und halten heilige Feuer über Jahrhunderten am Brennen.

Feuertempel Iran

Zufällig bringt uns ein dunkles Holzschild auf die Spur des Tavassolian Historical House. Wir stoßen auf das historische Haus, das mit viel Liebe zu einem Boutique Hotel umgestaltet wurde.

In den Schlafkammern wird die Bettstatt auf farbenfrohen, schweren Perserteppichen ausgerollt. Im Innenhof schlürfen Gäste im Schatten des knorrigen Maulbeerbaumes dampfenden Tee. Die reifen Früchte des Baumes verbreiten einen süßlichen, leicht alkoholischen Duft. Über die Steinfliesen huscht eine schlanke Katze mit ihren Jungen.

Gasthaus Iran Wanderreise

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Innenhof Gasthaus Iran  Innenhof Gasthaus Wanderreise Iran

Nach nur 20 Kilometern Fahrt in die Berge hinein, erreichen wir das gepflegte Dörfchen Abyaneh. Bäume werfen Schattenspiele auf die rötlichen Mauern der Häuser. Wir sind hier, um eine neue Wanderung für unser Reiseprogramm zu scouten. Über Gartenwege, entlang von Wassergräben, wandern wir rund um das Dorf. Hohe Bäume ragen hinter den Lehmwänden, die verwilderte Gärten schützen, auf. 

Abiena Iran Wanderreise Dorf

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Die Mittagssonne steht über dem offenen, wogenden Grasland, doch der Wind schafft auch im Juni die nötige Abkühlung. Es ist die letzte Wanderung unserer Junireise. Am Ende des Weges genießen wir den Ausblick auf das Dorf und die Reste einer alten Festung. Zwischen den Gräsern blühen wilde Orchideen. Wir genießen die Ruhe und entscheiden: diese Wanderung kommt ins Reiseprogramm.

Grasland Iran Wanderung Abiena

Wanderreise Iran

Berge Abiena Iran Wanderung

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Auf dem Weg zum Flughafen rekapitulieren wir die Erlebnisse unserer Iranreise. Unsere Taschen sind gefüllt mit duftenden Gewürzen und handgefertigten Decken – unsere Herzen mit lauter Begegnungen und Eindrücken.

Zu Hause angekommen trägt uns der intensive Geruch der Gewürze zurück in die Metropole Isfahan. Die spitzen Kiesel im Profil unserer Wanderschuhen erinnern uns an die Wanderung zu den Nomaden  im Zagrosgebirge. Und der helle Sand im Koffer weckt Erinnerungen an die Dünen der Wüste von Abu Zeidaabad.

Es ist das Ende einer erlebnisreichen Reise in einem Iran, so grün und blühend wie wir ihn im Juni noch nie zuvor erlebt haben.

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